... Brücke zwischen Überfluss und Bedürftigkeit.
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Seit einigen Monaten ist das Thema „Müll” und „Lebensmittelverschwendung” in aller Munde. Weltweit werden riesige Mengen Lebensmittel vergeudet - und die Gründe dafür sind vielfältig: Hygienevorschriften, Vermarktungsverordnungen, Überproduktion, Konsumgewohnheiten der Verbraucher und vieles mehr. Die fast 900 Tafeln in Deutschland mit ihren 50000 Helfern setzen seit vielen Jahren ein Zeichen gegen die Wegwerf-Mentalität und Verschwendung von Nahrungsmitteln mit der Idee „Verteilen statt Vernichten”.
Seit 1998 leistet die Bonner Tafel einen Beitrag zum Ausgleich zwischen Überfluss und Bedürftigkeit. Ethische und ökologische Gründe sind die Triebfeder für den „Knochenjob” der etwa 75 Ehrenamtlichen der Bonner Tafel. Sie sorgen dafür, dass verzehrfähige Lebensmittel nicht einfach weggeworfen, sondern einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden. Die Mehrzahl der freiwilligen Helfer ist aus dem aktiven Arbeitsleben ausgeschieden und leistet einen regelmäßigen wöchentlichen Einsatz von 5 bis 7 Stunden.
Freundlicherweise unterstützte der General-Anzeiger zweimal in diesem Jahr unsere Suche nach weiteren ehrenamtlichen Kräften, so dass im Herbst die tägliche Tourenplanung ausgebaut werden konnte und Ersatz für ausgeschiedene MitarbeiterInnen gefunden wurde. Mittlerweile hat sich der Anteil der im Tafelbetrieb tätigen männlichen Helfer weiter erhöht und beträgt nun über 40 %. Für einzelne Touren und Einsatztage werden noch weitere Freiwillige gesucht.
Die Warenmengen haben sich im Laufe der Jahre eingependelt und unterliegen saisonalen Schwankungen Ð oder auch den Auswirkungen der Skandale der Lebensmittelindustrie wie z.B. der Dioxin-Alarm bei Eiern im Januar 2011. Im Sommer wurden aufgrund von EHEC bis zur „Entwarnung” keine Salate, Gurken und Tomaten abgeholt. Umso wichtiger ist uns daher die Einhaltung der Hygienevorschriften und der von uns erarbeiteten Tafelrichtlinien, nach denen die MitarbeiterInnen die überschüssigen Lebensmittel bei den Spendern aussortieren.
Immer wieder müssen wir bei neuen Spendern, aber auch nach entsprechenden Pressemitteilungen darauf hinweisen, dass wir keine Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum annehmen und verteilen. Es ist uns ein großes Anliegen, nur einwandfreie Lebensmittel weiterzugeben; wir achten damit die Würde der Empfänger und schützen gleichzeitig unseren guten Ruf. Im Durchschnitt nehmen wir bei Obst und Gemüse in Supermärkten etwa 30 Ð 40 % der angebotenen Warenmenge mit (bei Backwaren etwa
90 %), die nicht verwertbaren Lebensmittel werden direkt beim Spender entsorgt, damit für die Tafel keine Entsorgungskosten anfallen.
Der Wunsch der Verbraucher nach gefüllten Regalen und Vielfalt an Waren bis zum Ladenschluss ist der Grund, dass uns sehr viele Backwaren zur Verfügung stehen. Neben den Bäckereien zählen zu den regelmäßigen Spendern seit vielen Jahren der Großmarkt in Roisdorf sowie das Edeka-Zentrallager in Meckenheim und weitere Großhändler. Die Zusammenarbeit mit den Aldi-Filialen in Bonn verläuft reibungslos. Nach einer erfolgreichen Rewe-Aktion „Gemeinsam Gutes tun” im November 2011 erhoffen wir nun für das neue Jahr, dass der eine oder andere Rewe- und toom-Markt eine regelmäßige Abholung von Warenüberschüssen mit uns vereinbart.
Für die Abholung stehen uns vier Vereinsfahrzeuge mit Kühlausstattung zur Verfügung. Neben den regelmäßigen Abholungen in Bonn werden Sondertouren auch zu überregionalen Spendern für Konserven, Gebäck, Kartoffeln und Getränke etc. gefahren. So ermöglicht uns die gute Zusammenarbeit mit der Kölner Tafel, dass hin und wieder Warenüberschüsse (z.B. Milchprodukte von Campina) auch an Bonner Bedürftige verteilt werden können.
Die Anzahl der Hilfesuchenden übersteigt jedoch die zur Verfügung stehende Warenmenge, so dass viele Bedürftige abgewiesen werden müssen. Momentan sind etwa 500 Haushalte registriert, die ihre Bedürftigkeit nachgewiesen haben und die einmal pro Woche Lebensmittel in der Geschäftsstelle abholen können. Neuanträge werden nur noch von Menschen angenommen, die aufgrund von Krankheit oder Alter nicht erwerbstätig sein können. In einem persönlichen Antragsgespräch bemühen wir uns, die dringendsten Fälle herauszufiltern. Gleichzeitig werden die bestehenden Karteninhaber regelmäßig überprüft; dabei wurde festgestellt, dass ca. 40 % der Abnehmer (Alleinstehende und Ehepaare) seit mehr als 7 Jahren Ware erhalten. Ein Großteil der Berechtigungskarten ist bis Ende 2012 befristet; eine Verlängerung dieser langjährigen Dienstleistung darüber hinaus muss sorgfältig abgewogen werden, um neuen Hilfesuchenden auch eine Chance zu geben.
Gleichzeitig haben wir 90 Haushalte mit Senioren registriert, die über diverse Kooperationspartner in verschiedenen Stadtteilen wöchentlich Lebensmittel erhalten. In 2012 ist eine Ausweitung für Senioren in Beuel und evtl. Friesdorf geplant.
Seit 5 Jahren haben wir verstärkt unsere Priorität auf die Belieferung von Schulen sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen gelegt. Mit Obst, Rohkost und Milchprodukten erreichen wir in 30 Einrichtungen wöchentlich über 2000 Kinder und Jugendliche - wesentlich mehr, als es über die Verteilung an private Haushalte möglich wäre.
Insgesamt profitieren wöchentlich ca. 3500 Bedürftige von den eingesammelten Überschüssen.
Seit vielen Jahren wird der Tafelbetrieb ausschließlich über Spenden finanziert. Wir sind erfreut über die vielen Unterstützer, so dass wir nicht auf öffentliche Gelder angewiesen sind - es sichert uns gleichzeitig unsere Unabhängigkeit! In diesem Jahr konnten wir auf einem Grundstück der Kirchengemeinde eine Garage als dringend erforderliches Lager fertigstellen.
Für das Jahr 2012 ist die Überdachung unserer Geschäftsstelle vorgesehen, so dass unsere Abnehmer, aber auch die Helfer beim Ein- und Ausladen nicht der Witterung ausgesetzt sind. Für dieses Vorhaben suchen wir noch finanzielle Unterstützung.
Immer wieder stehen die Tafeln in der Kritik, dass sie Armut verfestigen und zur Ausgrenzung beitragen. Auf die Tatsache, dass Lebensmittelüberschüsse vorhanden sind, wird in den Diskussionen überhaupt nicht eingegangen. Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu Wohlfahrtsverbänden und anderen Hilfsangeboten, sondern als Ergänzung. Gleichzeitig sind wir der Überzeugung, dass es unverantwortlich und zynisch ist, Lebensmittel zu vernichten, solange bei vielen Menschen in unserer Gesellschaft Mangel herrscht. Daher werden wir auch in Zukunft unsere Arbeit fortsetzen und danken allen, die bisher dazu beigetragen haben.