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Keine dauerhafte Lösung - Caritas-Studie stellt Nutzen der Tafeln in Frage
Interview Domradio vom 14.04.2011 / Kölner Stadt-Anzeiger vom 13.04.2011
„Verteilen statt Vernichten”
Wir erfahren mit Bedauern, dass sich die Caritas zum wiederholten
Mal u.a. mit der Arbeit der Tafeln befaßt und die Arbeit
dieser Einrichtungen als „in Hinterhöfen” angesiedelt
bezeichnet. Bereits im Februar 2009 hat die Caritas die
Auffassung vertreten, die Tafeln „verfestigten” die Armut und
die Tafeln machten „alles falsch”.
Wir fragen uns, woher die Caritas so profunde Kenntnis über die Arbeitsweise der Tafeln nimmt, um so pauschal zu urteilen und woher sie den Mut nimmt, die Arbeit von Tafeln generell so abwertend zu beschreiben.
Die Bonner Tafel achtet und unterstützt die Arbeit anderer Einrichtungen!
Nicht eingegangen wird mit den Thesen der Caritas zudem auf die
Tatsache, dass Überschüsse an wertvollen
Lebensmitteln vorhanden sind. Warum also nicht den
Einrichtungen, die diese Lebensmittel einsammeln und
hilfsbedürftigen Menschen zur Verfügung stellen, das
Recht zugestehen, diese Arbeit nach ihren Vorstellungen zu
leisten? Wir kritisieren nicht die Arbeit und die
Lösungsansätze der Caritas, sind jedoch ganz
entschieden der Auffassung, dass sich die MitarbeiterInnen der
Tafeln nicht pauschal - wie von der Caritas dargestellt - als „Ausfallbürgen für die mangelnde staatliche Unterstützung” bezeichnen lassen wollen. Unser Ansatz ist nicht die politische Diskussion über Armut. Wir handeln in erster Linie aus ökologischen und ethischen Gesichtspunkten, wenn wir der Vernichtung von wertvollen Lebensmitteln entgegentreten.
Es wäre ein erstrebenswertes Ziel, wenn alle Einrichtungen, die für sich in Anspruch nehmen, für Menschen in Notlagen zu arbeiten, dies in gegenseitiger Achtung vor den jeweiligen Arbeitsansätzen tun. Hier muss es eine bunte Vielfalt von Möglichkeiten geben - alles andere endet in völliger Verkennung der Realitäten.
Marie-Luise Tepper Edith
Trittler
Für den Vorstand der Bonner Tafel e.V.
30.04.2011
Hinweise zum Umgang mit Lebensmitteln
Richtlinien für MitarbeiterInnen bei der Abholung
Grundsätzlich gilt:
- bei zweifelhafter Qualität Ware nicht mitnehmen!
- bei sehr großen Mengen bzw. Unsicherheit Rücksprache mit Betriebsleiter/Vorstand
- nur verwertbare Ware ins Fahrzeug - Aussortieren beim Spender
Mindesthaltbarkeitsdatum beachten bei:
| 1. Milchprodukten | nur innerhalb des MHD, keine Ausnahmen! Kühlkette!
|
| 2. Feinkost | nur innerhalb des MHD, keine Ausnahmen! Kühlkette!
keine Forellenfilets, Räucherlachs und frische Krabben!
|
| 3. Trockenwaren | (Nudeln, Kekse, Schokolade etc.) bei unbeschädigter Verpackung
Mitnahme bei kurz überschrittenem MHD möglich
|
| 4. Konserven | keine Mitnahme bei abgelaufenem MHD -
nur mit Unbedenklichkeitsbescheinigung des Herstellers
|
Obst/Gemüse
"Hausfrauenblick" - Haltbarkeit mindestens 1 - 2 Tage
- Ware muss bei Händler aussortiert werden
- keine überreife, weiche, welke oder verschimmelte Ware ins Fahrzeug!
Konserven
- keine "Überraschungskonserven" (ohne Etikett)
- keine gewölbten Konservendeckel
Tiefkühlkost
Keine Mitnahme, da wir die Kühlkette nicht einhalten können!
Backwaren
- keine Abholung von harten, angeschimmelten und verschmutzten Backwaren
- keine Sahneteilchen oder Sahnekuchen
Dezember 2011
Der Vorstand
Brief vom Jugendhaus Brücke
... ich möchte den Jahreswechsel zum Anlass nehmen und mich bei Ihnen und Ihren Mitarbeitern herzlich für die jahrelange Lieferung mit Lebensmitteln für die Kinder und Jugendlichen im Jugendhaus Brücke bedanken. Damit machen Sie unseren Kindern und Jugendlichen eine große Freude. Die Frage: „Ist heute Bonner Tafel?” gehört zu den Sätzen, die wir von unseren Besuchern sehr oft hören.
Da fast alle unsere Kinder aus Familien stammen, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen bestreiten können und deshalb auf Unterstützung angewiesen sind, kommt diese Hilfe bei Kindern und Jugendlichen an, die sie wirklich brauchen.
Zweifelsfrei hat sich das Essverhalten unserer Besucher durch die Bonner Tafel verbessert, denn statt das spärliche Taschengeld in Süßigkeiten, Chips und Fertigsüppchen zu investieren, essen die Kinder jetzt die Waren, die Sie uns liefern. Einige Lebensmittel lernen die Kinder erst durch die Bonner Tafel kennen.
Viele unserer Besucher verstehen erst einmal nicht, wieso sie Waren von der Bonner Tafel bekommen, weil sie die Motivation der Schenkenden nur sehr schwer nachvollziehen können. Deshalb müssen wir viele Fragen zur Bonner Tafel beantworten und unsere Besucher lernen mit der Bonner Tafel, dass es in Bonn Menschen gibt, die möchten, dass es ihnen gut geht. Das ist eine schöne Erfahrung für die Kinder und Jugendlichen, besonders für die, die sich sonst oft genug von unserer Gesellschaft abgelehnt fühlen.
Ich freue mich darauf, auch im neuen Jahr wieder mit Ihnen zusammen zu arbeiten, damit die Kinder und Jugendlichen auch weiterhin in den Genuss Ihrer Lebensmittellieferungen und Ihrer Fürsorge kommen.
Werner Hergarten, Jugendhausleiter,
Schreiben vom 11.01.2011
„Tafeln: Gnadenbrot für Arme”
- Stellungnahme -
In der Februar-Ausgabe des Straßenmagazins fiftyfifty wird - durchaus kritisch - die Arbeit der Tafeln kommentiert. Unter anderem beklagen die Dachverbände von Caritas und Diakonie, dass durch die Lebensmittelverteilung der Tafeln Armut verfestigt würde.
Als eine der über 800 Tafeln in Deutschland nehmen wir dies zum Anlass, über die Beweggründe für die Arbeit der Bonner Tafel und unser Selbstverständnis zu informieren. Wir sind ein eingetragener Verein, der gemeinnützig arbeitet. Ganz bewusst nehmen wir nicht politisch Einfluss und beteiligen uns nicht an der z.Zt. geführten Armutsdiskussion. Unser Handeln ist bestimmt von dem Bestreben, wertvolle Lebensmittel vor der Vernichtung zu bewahren. Wir stehen zu ökologischer Verantwortung und damit zu einem sparsamen Umgang mit vorhandenen Ressourcen. Dass wir mit den von uns zusammengetragenen Lebensmitteln ganz erheblich sowohl soziale Einrichtungen wie auch bedürftige Menschen - darunter alleine in Bonn mehr als 2000 Kinder und Jugendliche - unterstützen, ist die satzungsgemäße Folgerung unserer ehrenamtlichen Arbeit.
Wenn nun sowohl Caritas wie Diakonie unsere Arbeit kritisch sehen und vor unserer Aktion „Verteilen statt Vernichten” warnen, so stellt sich uns die Frage, ob unsere Hilfe noch willkommen ist. Caritas wie Diakonie verweisen bedürftige Menschen an uns und wir beliefern einige Einrichtungen in Trägerschaft der beiden - gerne und ohne deren Berechtigung zu hinterfragen.
Wir wünschen uns, dass der ausschließlich ethische Aspekt unserer Arbeit anerkannt und die Arbeit der Bonner Tafel nicht für politische Diskussionen instrumentalisiert wird.
Edith Trittler Anne Jörgensen Marie-Luise Tepper
- Vorstandsmitglieder der Bonner Tafel e.V. -
Dank den Tafeln
Demokratie erlaubt Meinungsfreiheit. Und als solche ist es erlaubt, dass auch in einer Wohnungslosenzeitschrift unterschiedliche Meinungen vertreten werden. So setzte sich die Februar-Ausgabe von FiftyFifty überaus kritisch mit dem Angebot der Tafeln auseinander, vertrat u.a. den Standpunkt, dass die Tafeln durch Lebensmittelverteilung Armut verfestigen statt sich durch politischen Einfluss in die Armutsdiskussion einzuschalten. Dies ist eine Position, wir möchten an dieser Stelle eine andere einnehmen.
Der Verein für Gefährdetenhilfe (VFG) in Bonn und seine zum großen Teil wohnungslosen Klienten sind seit vielen Jahren Nutznießer der Bonner Tafel. Die Tafel fährt unsere Einrichtungen oft fünfmal pro Woche an, an manchen Tagen auch zweimal. Unsere Klienten leben am deutlichen Rande der Armutsgrenze. Der VFG hilft diesen Menschen nicht nur bei der Verwirklichung ihrer materiellen Rechtsansprüche sondern mischt sich als Träger auch politisch ein, um für die Interessen dieser Zielgruppe zu kämpfen und ihnen mit Hilfeangeboten den Wiedereinstieg in ein zufriedenes und gesundes Leben zu ermöglichen. Was in der aktuellen Lebenssituation der von uns betreuten Klienten bleibt, ist trotzdem erlebte Armut, die auch nicht so schnell durch deutlich spürbare Erhöhung der Sozialleistungen behoben werden wird. Aber unsere Klienten sind die Falschen, um durch in Kauf genommenen Leidensdruck eine Erhöhung der Regelleistungen zu erreichen. Es wäre zynisch, wenn dazu gerade jene Menschen herhalten müssten, deren Leben durch Mangel gekennzeichnet ist.
Wir sind der Bonner Tafel dankbar, dass sie mit viel Engagement diese Lücke schließt. Wie unmittelbar diese Hilfe greift, wird deutlich, wenn einer unserer Klienten ganz nebenbei erzählt, dass er seitdem die Tafel kommt, in der Notunterkunft nicht mehr früher zu Bett gehen muss, um im Schlaf den Hunger nicht zu spüren. Wie elementar diese Hilfe ist, wird z.B. auch deutlich, wenn die Tafel Freitags mal ausnahmsweise nicht kommt. Dann halten unsere Klienten bis zur letzten Minute der Öffnungszeit mit bangem Blick durch, in der Hoffnung, dass die Tafel vielleicht doch noch kommen könnte. Und jedem Mitarbeiter ist bei Schließung des Cafes klar, dass diese Klienten alle nicht wissen, wie sie durch's Wochenende kommen.
Die Lebensmittelverteilung der Tafel widerspricht nicht unserem Engagement zur Verbesserung der Lebensbedingungen unserer Klienten, und sie verfestigt auch keine Armut. Im Gegenteil, die Hilfe der Tafel unterstützt uns, weil sie unabhängig von jedem politischen Engagement zunächst einmal die Menschen mit Lebensmitteln versorgt. Es ist dann unsere Aufgabe als Sozialarbeiter, uns für die Verbesserung der Lebensbedingungen unserer Klienten einzusetzen.
Für die im wahrsten Sinne tatkräftige Unterstützung durch die Bonner Tafel zum Wohl der vom VFG betreuten Menschen möchten wir uns darum an dieser Stelle einmal ganz ausdrücklich bedanken. Wir möchten uns dafür bedanken, dass wir in der oft täglichen Zusammenarbeit mit den vielen unermüdlichen Ehrenamtlern der Bonner Tafel spüren, dass ihnen das Wohl unsers zumeist wohnungslosen Klientels besonders am Herzen liegt. Im Interesse dieser Menschen würden wir uns freuen, wenn diese Zusammenarbeit noch lange fortgesetzt wird.
Nelly Grunwald
Geschäftsführung
Verein für Gefährdetenhilfe
"Bonner Tafel"
Aus Helfern wurden mit der Zeit Freunde
Mehrmals in der Woche biegt der weiße Lieferwagen auf den Hof des
Jugendzentrums in Dransdorf. Gespannt warten viele Kinder und
Jugendliche schon. Denn, wenn der Wagen der "Bonner Tafel" vorfährt,
ist eines völlig klar: Auf der Laderampe warten Kisten voller
Köstlichkeiten, Obst, Kuchen, Gemüse, Joghurts, Schokolade ... All das,
womit die Bonner Tafel viele Einrichtungen in Bonn, darunter auch das
Jugendzentrum Dransdorf, so großzügig unterstützt. Aber es sind längst
nicht nur die Leckereien, auf die die Kinder sich freuen. Es sind auch
die vielen ehrenamtlichen Helfer, die bei Wind und Wetter vorfahren und
immer ein freundliches Wort für sie übrig haben, die sich lächelnd
erkundigen, ob denn der Pudding am Vortag wirklich so gut war, wie er
aussah, oder ob von den Teilchen überhaupt etwas übrig geblieben ist.
Trotz straffer Tour zu den diversen Einrichtungen nehmen sie sich Zeit
für ein kurzes Schwätzchen mit den Kindern und Jugendlichen und haben
stets das richtige Gespür. Mit strahlenden Augen kam kürzlich die
sechsjährige Jessica mit einer Bananenstaude in den Händen durch die
Tür. "Die habe ich ganz allein für mich geschenkt bekommen." Stolzer
hätte man sie in dem Moment sicher nicht machen können. Grund genug für
uns alle, einmal offiziell ganz besonders "Danke" zu sagen. Die Spenden
sind für uns immer eine große Hilfe. Aber die Menschen., die sie
bringen, sind für uns längst Freunde geworden.
Antje König im Namen der Kinder, Jugendlichen und Mitarbeiter aus dem Jugendzentrum Bonn-Dransdorf
Leserbrief im General-Anzeiger vom 8.1.2004